...der eine wegen des schönes Ausritts, der andere weil endlich die Koppel offen ist und die Chefin 7 Stunden erlaubt hat.
Heute war ich mit mit einer Stallgenossin ausreiten. Geniales Wetter, Sonne und Wind, warm und schön. Und die Böden noch nicht knallehart. Und wir beide haben alle Zeit der Welt. Und zwei schöne Schimmel marschieren zunächst in den Wald. Da waren wir schon lange nicht mehr. Im Schritt braucht man auch etwas über eine halbe Stunde bis man dort ist. Es wimmelt da nur so von Schnaken, aber unsere Einsprühmitteln helfen uns soweit, daß unsere Pferde ruhig laufen können. Als wir den Wald velassen, kommt unsere erste Trabstrecke, ein optisch sehr hübsches Wegchen, das sich zwischen Wiesen und Baumgruppen schlängelt. Zunächst im Trab, später im Galopp. Bald darauf die nächsten Galoppstrecke. Es ist heut nur schön. Likas macht zwar den Hlas steif und würde gerne fortstürmen, aber wir einigen uns diesmal, daß er seine Haltung selber bestimmen darf, wenn ich das Tempo bestimmen darf. Das ist ein solider Kompromiß

und wir bleiben im normalen Geländegalopptempo ohne rasen (Hans-Guck-in-die Luft).
Endlich nicht allein! Wir beschließen, noch ein Stückchen weiter zu reiten, über die große Bundesstraße und einfach mal gucken, wo man da hinkommt. Wir reiten gut 2 Stunden vom Stall weg und erkunden neue Wege.
Als wir in ein Dorf kommen, steige ich ab, ist eh nur Asphalt, und nach knapp 2 Stunden braucht Likas Rücken eine Pause, zumal der Ritt noch lange nicht zuende ist. Ich finde es total toll, wie Likas dann mit mir läuft, so vertrauensvoll die Nase dicht neben mir, als ob er noch nie was anderes gemacht hätte. Das ist fast schöner, als oben drauf zu sitzen. Nach dem Dorf klettern wir noch durch einen kleinen Graben, und dann steht tatsächlich ein Stuhl mitten in der Obstbaumwiese, wie nett - eine Aufsteighilfe.
Dann treffen wir nicht ganz den Weg den wir gesucht haben, ne Karte haben wir natürlich nicht dabei, obwohl wir beide eine topografische Karte extra für diesen Zweck besitzen. Nun, nicht schlimm, dann müssen wir auch noch durchs nächste Dorf. Davor aber nochmal eine coole Galoppstrecke entlang eines Bachlaufs, müde ist ja noch keiner. Likas wartet immer noch auf das Startsignal zum Sprint, das aber wieder nicht kommt

. Und wir galoppieren nicht langsam und wir sind schon lange unterwegs....
Dann eine weitere Straße, auch hier muß man durch eine kleinen Graben, um überhaupt auf die Straße zum queren zu kommen. Likas mag nicht, aber als ich die Beine zu machen will, kommen kolonnenweise Autos aus beiden Richtungen und wir müssen erstmal warten. Beim 2ten Versuch klappt es und Likas marschiert souverän durch den Graben auf die Straße. Nach kurzer Beratung steigen wir beide dann wieder ab. Es geht steil hinunter - asphaltiert. Wäre noch kein Prob, aber unten endet es in Kopfsteinplaster, das ist sauglatt und steil.
Und es gibt einen kleinen Brunnen da. Das andere Pferd trinkt durstig und Likas guckt skeptisch. Ihm gefällt der schön angepflanzte Blumentopf besser als das Wasser. Das geht nicht! Ich halte Likas Wasser in der hohlen Hand Wasser hin und er schleckt, senkt dann die Nase in den Trog und nimmt einen zaghaften Schluck. Kein Durst- schmeckt nicht - traut sich nicht? Ich weiß nicht. Schließlich hält er seine Nase direkt unter den Wasserhahn, so daß das Reithalfter meiner frisch geputzten Kieffer-Trense platschnaß wird. Schimpfen mag ich nicht, das ist zu schön! Ich zeige nochmal energisch ins Wasser und Likas senkt folgsam seinen Kopf und tunkt ein - bis über beide Nüstern ! Clown! Braves Pferd - hat schon kapiert daß er seinen Rüssel da rein halten soll, aber trinken wollte er offensichtlich nicht. Ehe er erneut nach den Blumen linst, gehen wir besser weiter, das andere Pferd hat sich mittlerweile sattgetrunken.
Nun kommt der Hauptgrund des Absteigens - eine schmale Brücke. Man muß die Steigbügel hochmachen, damit diese sich nicht im Geländer verhaken können. Die Brücke übers Bächlein ist gerade so breit, daß ein gesatteltes Pferd durchpaßt. Gerade so. Rechts und links je ein paar cm Luft. Länge der Brücke ca. 5m. Das kennen auch beide Pferde, gar kein Problem. Obwohl ich es jedesmal etwas gruselig finde.
Danach diesmal ohne Aufsteighilfe wieder aufs Pferd und Richtung Stall. Es gibt noch eine Abenteuer-Strecke durch eine total verwilderte Obstbaumplantage, die Äste hängen so tief, dass wir indianerartig auf den Pferden hängen, um notfalls uns seitlich fallen lassen zu können. Dann ein nicht gemähter Wiesenweg, ein Spaß für die Pferde, das Futter wächst bis ins Maul hinein. Likas muß nicht mal den Kopf richtig senken um Gras ins Maul zu bekommen. Der bisherige Vorsatz, die Pferde unterwegs nicht beim laufen fressen zu lassen, ist dahin - lachend passen wir auf, daß unsere Pferde beim Grashalm-angeln nicht über ihre eigenen Füsse fallen.
Dannn kommt noch eine Galoppstrecke - Likas ist jetzt völlig entspannt, galoppiert elastisch und auch temporeich (aber ohne zu rasen), aber ein leises zupfen am Zügel mit dezentem Schenkeldruck verbunden bewirkt Hals fallen lassen und ich kann sogar über etliche Meter mit beiden Händen überstreichen, ohne daß er die Haltung verliert oder schneller wird. Er ist so relaxed und zufrieden. So könnte jeder Tag sein!!!
Nach gut 3 Stunden ist unser Rundritt zuende. Füße und Sattellage werden abgeduscht, immerhin haben wir 28 Grad. Und dann endlich geht es auf die Graskoppel. Während ich Wasser auffüllen gehe, muß sich Likas gewälzt haben, als ich mit den Kanistern wiederkomme, ist er ziemlich grün

. Da ich vergessen habe, die Hufe zu kontrollieren, gehe ich nochmal zu ihm hin und lasse mir die Hufe zeigen. Likas nutzt die Gelegenheit, dafür ein Leckerli einzufordern - ich bin erstaunt daß das trotz Gras vor seiner Nase interessant ist. Ist es aber. Sehr. Und noch eins und nochs eins. Ich werd die Schimmelnase gar nicht mehr los. Es gibt gerade die Fermentgetreide-Dinger, die gegen Kotwasser beim anweiden helfen sollen.